Havarien, die einen Schaden oder sogar
Totalverlust an Schriftgut verursachen können, haben vor allem mit Wasser
und Feuer zu tun. Was getan werden kann, um bereits
eingetretene Schäden zu begrenzen und - soweit möglich - zu beheben, lesen
Sie auf einer speziellen Seite. Hier geht es
darum, wie möglichen Schadensereignissen vorzubeugen ist und wie durch
gezielte Havarievorsorge bereits während und unmittelbar nach einer
Havarie der Schaden entscheidend begrenzt, im Idealfall sogar ganz
vermieden werden kann.
Vorbeugende Maßnahmen zur Havarievermeidung
Hier geht es um Brandschutz und um den Schutz des
Schriftgutes vor Wassereinwirkung.
Für den Brandschutz genügen im Allgemeinen die
üblichen Brandschutzvorkehrungen. Absolutes Rauchverbot in allen
Magazinräumen dürfte selbstverständlich sein, sollte aber auch in allen
Arbeitsräumen und im Benutzerraum, also überall wo mit Archiv- und
Schriftgut umgegangen wird, gelten. Darüber hinaus sind an die gesamte
Elektroanlage und an alle Verbrauchsgeräte besonders hohe Anforderungen
zu stellen. Was hier zu tun oder auch lieber zu lassen ist, erfahren Sie
am besten von Ihrem Elektrofachbetrieb. Aber auch der Umgang mit den
Elektrogeräten sollte besonders umsichtig erfolgen. Vor wenigen Jahren hat es in
einer Bibliothek gebrannt, weil eine Kaffeemaschine nicht ausgeschaltet
war.
Brandschäden entstehen häufig durch Raucheinwirkung. Dazu muss es nicht
unbedingt in den eigenen Räumen brennen. Rauchgase können sich z.B.
durch Schächte (Treppenhäuser, Kabelschächte, Klimaanlagen,
Kanalisierungen, Aufzüge) unbemerkt über große Entfernungen und auch
zwischen den Gebäuden ausbreiten.
Ein großes Problem ist die Nachbarschaft. Optimaler eigener Brandschutz
nützt nicht viel, wenn im gleichen oder im angrenzenden Gebäude ein
Feuer ausbricht. Da hier nicht viel getan werden kann, gilt es, dieses
Problem bei den eigenen Maßnahmen soweit wie möglich zu
berücksichtigen. Dabei ist an die Abdichtung von Schächten, Trennung von
Elektroanlagen und ggfs. Verstärkung von Trennwänden bis hin zur
Errichtung von Brandmauern zu denken.
Jedes Archiv sollte eine Brandwarnanlage haben. Bei deren Planung und
Einrichtung sind nicht nur die Problemzonen in den eigenen Räumen zu
beachten, sondern auch die eventuell von benachbarten Räumen/ Gebäuden/
Anlagen ausgehenden Gefahrpunkte einzubeziehen.
Geradezu unerschöpflich sind die Möglichkeiten, wie
Wasser an Archiv- und Schriftgut oder an Bücher gelangen kann. Da platzen
Heizungsrohre und Heizkörper, frieren Wasserleitungen auf (mitunter ist
man dankbar, wenn es wenigstens nur Frischwasser war), dringt
Schmelz-, Regen- oder Kanalisationswasser auf den unterschiedlichsten
Wegen ein. Bei Bränden richtet oft das Löschwasser mehr Schaden an als
das Feuer und gar nicht abwegig ist es, dass es an einer ganz anderen
Stelle brennt und das Löschwasser doch bis in das Magazin läuft.
Was ist dagegen zu tun? Prüfen Sie genau Ihre und, wenn möglich, auch
benachbarte, v.a. darüber liegende Räume. Welche Leitungen verlaufen
durch die Magazinräume, welche stecken in den Wänden? Sind alle Fenster
dicht und halten sie auch einem Sturm stand? Gibt es Wege, auf denen
Regen- oder Schmelzwasser vom Dach oder durch die Außenwände eindringen
kann? Ist das Dach dicht und die Dachentwässerung intakt? Besonders
heimtückisch können innerhalb des Gebäudes in den Mauern eingebaute
Fallrohre sein - das gilt übrigens auch für die Toilettenentwässerung.
Kann Oberflächenwasser (Schmelzwasser, starker Regen) in das
Kellermagazin eindringen? Besteht Gefahr bei steigendem Grundwasserspiegel
oder wenn der Pegel eines eigentlich entfernt fließenden Flusses oder
Bachs steigt?
Grundsätzlich gilt für alle Räume, besonders aber für Keller: Nichts
darf auf dem Fußboden liegen. Schon kleinste Mengen Wasser erreichen den
Papierstapel, der auf dem Fußboden liegt. Umgekehrt braucht es aber sehr
viel Wasser, um den ganzen Raum soweit zu fluten, dass der erste
Regalboden erreicht wird.
Besondere Vorsicht bei Räumen, die unterhalb des Straßenniveaus liegen.
Abflüsse sollten vorhanden sein (damit Wasser, das auf anderen Wegen in
das Magazin gekommen ist, abfließen kann) müssen aber unbedingt
Rückstauventile haben, damit kein Wasser aus der Kanalisation eindringen
kann. Lassen Sie die Funktion der Rückstauventile regelmäßig von einem
Fachbetrieb prüfen.
Wenn Zweifel an der Dichtheit und Stabilität von Wasserleitungen,
Heizungsrohren und Abwasserleitungen bestehen, ist es am besten, wenn sie
abgesperrt und entleert werden können. Geht das nicht, sollten die Regale
an den problematischen Stellen leer bleiben. Lässt der Platz(mangel) das
auch nicht zu, kann man sich behelfen, indem Folie über die Regale gelegt
wird - übrigens auch zu empfehlen, wenn das Dach nicht in Ordnung ist
oder aus darüber liegenden Räumen Gefahr droht.
Hinweise zur Havarievorsorge
Havarievorsorge setzt ein, wenn die Maßnahmen zur
Havarievermeidung getroffen sind. Auch wenn alle diese Maßnahmen
sorgfältig ausgeführt wurden, alle Möglichkeiten für Gefahrenquellen
bedacht sind und wenn das Gebäude ein neuer Zweckbau ist, niemals besteht
völlige Sicherheit. Oft führen vollkommen abwegig erscheinende oder auch
entfernt stattfindende (z.B. in anderen Gebäudeteilen) Ereignisse zu schwerwiegenden Havarien. Deshalb ist die Havarievorsorge
auch dann unabdingbar, wenn keine Gefährdung erkennbar ist. Wenn dann
doch etwas passiert, ist keine Zeit, um z.B. die Telefonnummern von
Bergekräften zusammenzusuchen. Gerade auf die Zeit kommt es aber an. Die
häufigste Folge einer Havarie ist der Wasserschaden, und dieser erfordert
unverzügliches Handeln, sollen die Folgeschäden einigermaßen begrenzt
werden.
Havarievorsorge besteht zu einem großen Teil aus
Informationsbeschaffung und aus der Herstellung von Kontakten. Weitere
Schwerpunkte sind die Vermittlung dieser Informationen an alle Beteiligten
und das Üben von Handlungsabläufen. Daneben ist es - abhängig von den
konkreten Gegebenheiten - zweckmäßig, auch gewisse materielle
Vorbereitungen zu treffen.
Für den Notfall sollten folgende Informationen
bekannt und Vorbereitungen getroffen sein:
- Neben dem üblichen Notruf für den Rettungsdienst
Namen, Anschrift und Telefon eines Notarztes.
- Bei der Feuerwehr sollte es einen konkreten
Ansprechpartner geben, der über die Besonderheiten von Bränden und
Havarien mit Archiv-, Bibliotheks- und Schriftgut informiert ist. In
regelmäßigen Abständen sollten Begehungen durch die Feuerwehr erfolgen,
damit diese im Einsatzfall die Örtlichkeiten einschließlich Zufahrts-
und Evakuierungswege schon kennt.
- Für Wasserschäden sollte Kontakt zu einem Kühlhaus
bestehen, in dem nasses Material eingefroren werden kann.
Erfahrungsgemäß kann nicht davon ausgegangen werden, dass die
Anlieferung und Einlagerung von nassem Archiv- oder Bibliotheksgut ohne
vorherige Absprache möglich ist. Manche Kühlhäuser dürfen solche
Materialien nicht annehmen. Zu klären ist, wieviel Material maximal
eingelagert werden kann, welche Anforderungen seitens des Kühlhauses an
die Verpackung gestellt werden, wie lange die Einlagerung ggfs. möglich
ist und was es kostet.
- Für den Fall, dass das Gebäude oder die
Magazinräume so stark beschädigt werden, dass eine Auslagerung nötig
wird, muss ein Auslagerungsort vorhanden sein. Auch hier müssen
die notwendigen Absprachen über die Möglichkeiten der Einlagerung und
die dabei entstehenden Kosten vorher getroffen sein.
- Ebenso sollte Kontakt zu einem Transportunternehmen
bestehen, das im Notfall den Transport des geborgenen Materials an den
Auslagerungsort oder ins Kühlhaus übernehmen kann. Die Spedition sollte
groß genug sein, damit der kurzfristige Einsatz ohne Vorankündigung im
laufenden Geschäftsbetrieb möglich ist. Wenn keine große Spedition am
Ort ist, sollte der Kontakt zu zwei oder mehreren Speditionen geknüpft
werden. Auch hier sollten die anfallenden Kosten vorab ermittelt werden.
Wie mit der Feuerwehr sollten auch mit der Spedition die Zufahrtswege
getestet werden, damit im Notfall nicht eine zu enge oder zu niedrige
Durchfahrt hindert. Viele Speditionen verfügen über größere Mengen
Umzugskartons, die bei der Bergung für den Transport und für die
Lagerung verwendet werden können.
- Die Bergung bzw. Evakuierung von Archiv-
und Bibliotheksgut ist sehr aufwendig und allein mit dem vorhandenen
Personal nicht zu leisten. Deshalb ist es notwendig, hierfür Partner zu
suchen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen. In Frage kommen das
Technische Hilfswerk, die Bundeswehr oder andere ortsansässige
Einrichtungen. Auch hier sollten die Modalitäten geklärt und feste
Kontaktpersonen bekannt sein. In größeren Abständen sollten Übungen
oder zumindest Begehungen stattfinden. Die Evakuierungswege müssen
bekannt und gekennzeichnet sein und ständig freigehalten werden.
- Aus den eigenen Mitarbeitern sollte (ggfs. unter
Einbeziehung von Mitarbeitern benachbarter Behörden, Firmen usw.) eine Bergegruppe
gebildet werden. Die Mitglieder der Bergegruppe sollten bekannt sein, sie
werden im Notfall zusammengerufen. Die Bergegruppe wird bei kleineren
Havarien die Bergung selbst ausführen und bei größeren Einsätzen mit
den externen Bergekräften zusammenarbeiten. In diesem Fall wird die
Bergegruppe nach Möglichkeit das Ausheben in den Magazinregalen
übernehmen, weil hier über die weitgehende Beibehaltung oder aber den
Verlust der Ordnung entschieden wird.
- Nicht zuletzt ist es zweckmäßig, die Frage der Versicherung
zu klären, damit im Ernstfall gehandelt werden kann, ohne erst die
Übernahme der Kosten regeln zu müssen.
- Wenn etwas passiert, muss jeder Anwesende in der Lage
sein, die ersten notwendigen Schritte einzuleiten. Dafür muss bekannt
bzw. sichtbar sein, wer zu benachrichtigen ist. Für diesen Zweck habe ich
für die Fa. Schempp eine spezielle Alarmtafel
entwickelt. Wenn die oben genannten Havarievorsorgemaßnahmen erfolgreich
getroffen wurden, sind alle Informationen verfügbar, um die Alarmtafel
auszufüllen. Hängen Sie diese Alarmtafel dann an gut sichtbarer und
allgemein zugänglicher Stelle, möglichst in der Nähe eines Telefons
aus. Sinnvoll ist es auch, sie an mehreren Stellen, z.B. im Sekretariat,
im Magazin und im Büro des Leiters, auszuhängen.
An dieser Stelle können Sie die Alarmtafel ansehen und ausdrucken.
(Adobe .pdf-Datei, Voraussetzung ist Adobe Acrobat Reader auf Ihrem PC.
Diese Software kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden
unter: www.adobe.de.
Hier können Sie
kostenfrei die gedruckte Alarmtafel in der von Ihnen benötigten Anzahl
bei der Fa. Schempp Bestandserhaltung und Schadensanierung bestellen.
Beidseitig bedruckter roter Karton; Vorderseite:
Alarmtafel, Rückseite: Hinweise zur Havarievorsorge.
In welchem Umfang materielle Vorbereitungen
getroffen werden, hängt sehr von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Eine
vollständige Rundum-Vorsorge für alle denkbaren Fälle ist kaum möglich
und sicher auch nicht zweckmäßig.
Der häufigste Schadensfall ist ein begrenzter Wasserschaden. Dabei ist an
Wasserrohrbrüche o.ä. zu denken, bei denen immer nur ein überschaubarer
Bereich eines oder mehrere Regale betroffen ist. Die Flutung eines
Kellerraumes bis zu einer Höhe, dass die unteren oder sogar mehrere
Regalböden nass werden, kann schon als besonders schweres Ereignis
angesehen werden. Selbst dann ist aber die Gesamtmenge des betroffenen
Archivgutes überschaubar. Hierfür ist eine Bevorratung mit einer
gewissen Menge an Folientüten (Gefrierbeutel oder kleine Müllsäcke)
zweckmäßig. Sie sollten so bemessen sein, dass Folio-Akten bis zu einer
Stapelhöhe von 10 cm, max. 15 cm gut hineinpassen und dass die Beutel
dann noch umgeschlagen werden können (ca. 50 cm x 70 cm). Sind Akten in
Archivgutbehältern betroffen, ist der Behälter möglichst zu entfernen.
Erfahrungsgemäß ist die Durchfeuchtung innerhalb des Behälters
geringer, dementsprechend auch die Schädigung der Akten. Als grober
Richtwert kann eine Menge von 20 Beuteln pro lfm angesehen werden. Je
begrenzter der Schaden ist, umso mehr kann man tun, indem die Akten oder
Bücher völlig vereinzelt und jede Akte oder jedes Buch in einen
gesonderten Beutel steckt. Dann erhöht sich natürlich die Zahl der
benötigten Beutel je lfm.
Steht ein Wassereinbruch von oben zu befürchten, sollten einige
Folienbahnen vorrätig sein, die schnell über die betroffenen Regale
gezogen werden können.
Weiterführende Ausrüstung vorab zu beschaffen ist nur
bei spezifischen, erkennbaren Gefahren zu empfehlen. Hier allerdings
sollte eigentlich vorrangig die Beseitigung dieser Gefahren betrieben
werden.
Gerne können Sie mit mir über diese Probleme sprechen,
schicken Sie mir an dieser Stelle eine Nachricht!